Über Gott nachdenken

Mei­ne lie­ben Schü­le­rin­nen und Schü­ler,

die Schul­ge­bäu­de haben geschlos­sen. Damit soll ver­hin­dert wer­den, dass sich das Virus zu schnell aus­brei­tet. So gibt es in den Kran­ken­häu­sern genug Plät­ze für die Men­schen, die tat­säch­lich krank wer­den. Denn nicht jeder Mensch, der sich infi­ziert, wird auch krank. Das macht vie­le von uns unsi­cher. Denn die Viren kann man nicht sehen und ein­fach ver­trei­ben. Die­se Unsi­cher­heit und Ohn­macht hat mich an unser gemein­sa­mes Nach­den­ken über Gott erin­nert: Ist Gott über­haupt da? Wie kann man sich Gott vor­stel­len? Kön­nen Gebe­te, gute Wün­sche, Ker­zen und Lie­der etwas bewir­ken? Die fol­gen­den Auf­ga­ben set­zen unse­re Arbei­ten aus dem Reli-Unter­richt fort.

Schön, dass Du da bist

  1. An wel­che Per­son in dei­ner Fami­lie denkst du in die­ser Zeit beson­ders? Um wen sorgst du dich, weil sie schon alt ist oder weil ihre Atem­we­ge krank sind? Wel­che Per­son fällt dir sofort ein: dei­ne Oma, dein Opa, ein Onkel, eine Freun­din dei­ner Eltern …?
  2. Gestal­te für die Per­son, die dir beson­ders wich­tig ist, eine A4-Sei­te mit dem Titel: „Schön, dass du da bist“.
    Schrei­be und male dar­auf,
    • was du an die­ser Per­son magst,
    • was du gern mit ihr zusam­men machst,
    • was sie ein­zig­ar­tig macht,
    • was du ihr wünschst und was dir sonst alles noch ein­fällt, um ihr eine Freu­de zu machen.
  3. Wenn du fer­tig bist, bit­te jeman­den, ein Foto mit dir und dem Bild zu machen. Ach­te dar­auf, dass sowohl dein Kopf als auch die Lie­bes­bot­schaft gut zu erken­nen sind.
    Schi­cke das Foto an mei­ne e‑Mail-Adres­se (der Schu­le oder der Leh­re­rin) … und vor allem an die Per­son, für die du die „Schön, dass du da bist – Sei­te“ gestal­tet hast. Du kannst ihr das A4-Blatt auch per Post schi­cken. Das Virus hält sich auf Papier nur 24 Stun­den, falls du dich ange­steckt haben soll­test, ohne es zu mer­ken.

Vertraue, denn der Herr hält Dich

VERTRAUE, denn der HERR hat dich so in der Hand, dass du dich nicht auf die eige­ne Sicher­heit zu stüt­zen brauchst. VERTRAUE, weil GOTT dich liebt! Hil­de­gard von Bin­gen
  1. Beschrei­be die Gra­fik.
  2. Erklä­re, inwie­fern sich dar­in Got­tes­bil­der zei­gen.
  3. Erzäh­le, was ein Mensch erlebt haben könn­te, der solch eine Vor­stel­lung von Gott hat.

Wenn ich so zurückblicke

Als ich ein klei­nes Mäd­chen war, wur­de in mei­ner Fami­lie regel­mä­ßig gebe­tet. Am Mor­gen, vor dem Früh­stück, las mei­ne Mut­ter aus einem Heft­chen einen Spruch aus der Bibel. Und dann ant­wor­te­ten alle: „Seg­ne Vater, die­se Spei­se, uns zur Kraft und Dir zum Prei­se.” Gemeint war Gott. Mit­tags gab es ein ande­res Gebet. Am Abend kam sie an mein Bett und gemein­sam mit mei­nen Geschwis­tern spra­chen wir das Vater­un­ser. Für mich war das nor­mal, ver­traut.

Sonn­tags gin­gen wir in die Kir­che. Da gehör­ten Gebe­te sowie­so dazu. Kurz vor Ende des Got­tes­diens­tes gab es immer ein „Für­bit­ten­ge­bet”. Das war ein Gebet, in dem es um die Sor­gen, Nöte und Ängs­te ande­rer Men­schen ging: Für die Kran­ken, die Ein­sa­men, die Arbeits­lo­sen. Und die Pfar­re­rin ende­te mit: ” … und was unser Herz bewegt, schlie­ßen wir in der Stil­le mit ein.” Ich hab dann ganz lei­se für unse­re Kat­ze gebe­tet. Die war nachts drau­ßen unter­wegs und ich hat­te oft Angst, dass ihr etwas pas­sie­ren könn­te. Ich fühl­te mich durch die Für­bit­ten­ge­be­te am Sonn­tag mit ande­ren Men­schen ver­bun­den, und ich sprach aus, was mir wich­tig war.

Als ich spä­ter eine eige­ne Fami­lie grün­de­te, woll­te ich natür­lich auch mit mei­nem Mann und unse­ren Kin­dern beten: beim gemein­sa­men Abend­essen, vor dem Zu-Bett-gehen oder wenn wir eine lan­ge Rei­se auf der Auto­bahn unter­nah­men. Dafür haben wir uns eige­ne Gebe­te aus­ge­dacht: „Lie­ber Gott, wir dan­ken Dir für die­ses Essen.” oder „Behü­te uns auf der Rei­se.” Ich habe in all die­sen Momen­ten gespürt, dass Gott auf mei­ne klei­ne Fami­lie und mich auf­passt.

Als ich 46 Jah­re war, sind mein Mann und zwei mei­ner Kin­der durch einen schreck­li­chen Unfall auf der Auto­bahn ums Leben gekom­men. Ich war mit unse­rem jüngs­ten Sohn nicht mit­ge­fah­ren, weil er Fie­ber hat­te. An die­sem Abend konn­te ich nicht beten. Auch kein Vater­un­ser. Und auch an den fol­gen­den Tagen blieb das so. Unser Gebet um eine gute Heim­kehr hat­te sich nicht erfüllt. Es war ein­fach nur schreck­lich. Wir waren allein. Und Gott war auch nicht da.

Irgend­wann hab ich dann gemerkt, dass mein Jüngs­ter und ich in den Gebe­ten ande­rer vor­ka­men, in den Für­bit­ten. Ein­mal zün­de­te eine Frau extra eine Ker­ze für uns an. Das hat mich sehr berührt. Da ent­stand eine neue Art der Ver­bin­dung. Wir waren nicht mehr allein. Da sorg­ten sich ande­re Men­schen um uns. Das tat unglaub­lich gut. Das war wun­der­bar. Ich konn­te die­sen Men­schen und dann auch Gott im Gebet dan­ken.

Wenn ich heu­te, mit 72 Jah­ren, auf mein Leben zurück­bli­cke, bin ich mir sicher, dass ich nie auf­ge­hört hat­te zu beten. Die Art des Betens war unter­schied­lich: mal lau­ter, mal lei­ser und manch­mal ohne Wor­te. Und Gott hab ich mal mehr gespürt und mal weni­ger. Ich den­ke sogar, dass wir nie allein waren, so wie es am Ende des Vater­un­sers heißt (so wie ich mir das den­ke und mei­nen Enkel­kin­dern erklä­re): ” … denn von Dir kommt das Leben und die Kraft, die man dafür braucht und alles Schö­ne, was dar­in ist, und das soll nie auf­hö­ren. Amen.”

Pau­la Jacob­son, Wenn ich so zurück­bli­cke

  1. Erzäh­le Pau­las Erin­ne­run­gen mit­hil­fe einer Lebens­kur­ve nach.
  2. Arbei­te her­aus, wie sie sich Gott vor­stellt und was er ihr bedeu­tet. Erklä­re das an ihren Lebens­er­fah­run­gen.
  3. For­mu­lie­re ein Abend­ge­bet, das Pau­la spre­chen könn­te.
  4. Stel­le das Bild mit Men­schen dei­ner Fami­lie nach. Pro­biert ver­schie­de­ne Posi­tio­nen aus. Erstellt eine Dia­show.

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Ruth Ziemer
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