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Auch beim Lachen kann das Herz trauern

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Zwei Men­schen im Por­trait erzäh­len ihre Geschich­ten: Gewalt, Flucht, Ver­trei­bung — und Ret­tung. Die Bio­gra­fi­en von Har­ry und Ahmed glei­chen sich und sind doch ver­schie­den. Der Zwei­te Welt­krieg und der Syri­en­kon­flikt rücken eng zusam­men. Und das Neben­ein­an­der zeigt, dass bei­de Geschich­ten so immer wie­der und über­all auf der Welt statt­fin­den.

Das Kin­der­hilfs­werk UNICEF (United Nati­ons Children’s Fund, UNICEF) gehört zu den Unter­stüt­zer­sys­te­men der Ver­ein­ten Natio­nen. 1946 gegrün­det, soll­te es zunächst den euro­päi­schen Kin­dern und Jugend­li­chen nach dem 2. Welt­krieg hel­fen. Heu­te arbei­tet das Werk welt­weit in 190 Län­dern. Neben der struk­tu­rel­len Unter­stüt­zung in den Berei­chen Gesund­heit, Ernäh­rung und Fami­li­en­pla­nung steht es Fami­li­en auch in Fra­gen der Bil­dung zur Sei­te. In Not­si­tua­tio­nen leis­tet UNICEF huma­ni­tä­re Hil­fe direkt vor Ort. Das Enga­ge­ment gegen den Ein­satz von Kin­der­sol­da­ten und für den Schutz von Flücht­lin­gen zeigt, wie UNICEF sich in poli­ti­sche Fra­gen ein­bringt.

Kern­kom­pe­tenz: Grund­for­men bibli­scher Über­lie­fe­rung und reli­giö­ser Spra­che ver­ste­hen

Jahr­gang: ab 5./6.

Arbeits­for­men: Fil­m­ana­ly­se, Psalm­wor­te, Aus­stel­lung, Dis­kus­si­on

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen:

70 Jah­re UNICEF: https://​www​.unicef​.de/​i​n​f​o​r​m​i​e​r​e​n​/​a​k​t​u​e​l​l​e​s​/​b​l​o​g​/​2​0​1​6​/​h​o​f​f​n​u​n​g​-​f​u​e​r​-​j​e​d​e​s​-​k​i​n​d​-​s​i​e​b​z​i​g​-​j​a​h​r​e​-​u​n​i​c​e​f​/​1​2​8​592

Die Geschichte von Harry und Ahmed

HARRY
Es war eine glück­li­che Kind­heit, aber ich konn­te füh­len, was um mich her­um geschah. Eines Mor­gens wach­te ich auf, die Läden waren durch­wühlt, alle Fens­ter waren zer­trüm­mert, und mei­ne Schu­le war ver­brannt.

AHMED
Es war so laut. Das gan­ze Haus zit­ter­te. Es war wirk­lich nah. Die Leu­te schrien auf der Stra­ße und lie­fen. So vie­le Men­schen wur­den getö­tet.

HARRY
Mei­ne Mut­ter sag­te, ich müss­te gehen. Ich woll­te sie nicht ver­las­sen, aber sie sag­te, wir wür­den uns bald wie­der­se­hen. Sie muss gewusst haben, dass sie mich nie wie­der­se­hen wür­de.

AHMED
Es war eine Ent­schei­dung zwi­schen Leben und Tod. Mein Bru­der und ich flo­hen allei­ne. Wir schlie­fen auf den Stra­ßen, auf Fel­dern oder in einem Park, wo immer wir konn­ten.

HARRY
Sie brach­ten uns in ein Flücht­lings­la­ger — wir hat­ten kaum etwas zu Essen.

AHMED
Dann setz­ten uns die Män­ner auf ein klei­nes Boot. Es war für 2 oder 3 Per­so­nen, aber wir waren 12. Es hät­te jeder­zeit ken­tern kön­nen.

HARRY
Flug­zeu­ge flo­gen über uns und schos­sen auf unser Boot. Ich tauch­te und ver­steck­te mich unter einem Floß.

AHMED
Es war dun­kel. Ich konn­te mei­nen Bru­der nicht fin­den. Ich begann zu schrei­en: „Bas­har! Bas­har!”

HARRY
Ich hat­te nie in mei­nem Leben sol­che Angst.

HARRY & AHMED (zusam­men):
Ich dach­te, ich wür­de ster­ben.

AHMED
Wir ver­brach­ten 10 Tage auf dem Was­ser.

HARRY
Ich dach­te die gan­ze Zeit an mei­ne Fami­lie.

AHMED
An mei­ne Mut­ter am meis­ten.

HARRY
Wir war­te­ten auf unser Schick­sal. Zum Glück lie­ßen sie uns rein.

AHMED
Ich war wirk­lich glück­lich, als wir end­lich anka­men.

HARRY & AHMED (zusam­men)
Ich bin am Leben. Ich bin einer der Glück­li­chen.
HARRY, Flücht­lings­kind, 2. Welt­krieg
AHMED, Flücht­lings­kind, Syri­en­kon­flikt

Über­set­zung CC0 Jörg Loh­rer

  1. Erzäh­le die Geschich­ten von Har­ry und Ahmed mit eige­nen Wor­ten.
  2. Ver­glei­che bei­de Erzäh­lun­gen.
  3. For­mu­lie­re für jede Geschich­te einen eige­nen Titel.

Die Bilder dazwischen

Die Frucht der Gerech­tig­keit ist ein Baum des Lebens. Gewalt nimmt das Leben weg.
Spr 11,30

Wir alle spie­geln mit ent­hüll­tem Gesicht die Herr­lich­keit Got­tes wider.
2Kor 3,18

Ja, sie müs­sen fort, weil ihr Land ist ver­wüs­tet.
Hos 9,6

Das Leben ist gebor­gen bei einem treu­en Freund.
Sir 6,16

Ich will euch trös­ten, wie einen sei­ne Mut­ter trös­tet.
Jes 66,13

Gro­ße Mühen sind allen Men­schen zuge­mu­tet: Ihr Grü­beln und die Angst ihres Her­zens, der Gedan­ke an die Zukunft, an den Tag ihres Todes.
Sir 40,1f.

Wir erwar­ten einen neu­en Him­mel und eine neue Erde, in denen die Gerech­tig­keit wohnt.
2Petr 3,13

Wer im Dun­kel lebt und wem kein Licht leuch­tet, der ver­traue auf sei­nen Gott.
Jes 50,10

Du bist in mei­nen Augen wert­voll und herr­lich.
Jes 43,4

Das gan­ze Land ist ver­wüs­tet, doch kei­ner nimmt sich das zu Her­zen.
Jer 12,11

Das Glück von heu­te lässt das Unglück ver­ges­sen. Das Unglück von heu­te lässt das Glück ver­ges­sen.
Sir 11,25

Gott hat klein und groß erschaf­fen und trägt glei­che Sor­ge für alle.
Weis­heit 6,7

Fürch­te dich nicht, ich habe dich befreit, ich habe dich bei dei­nem namen geru­fen, du bist mein.
Jes 43,1

In der Hoff­nung haben wir einen siche­ren und fes­ten Anker der See­le.
Hebr 6,19

Du umgibst mich von allen Sei­ten und hältst dei­ne Hand über mir. Zu wun­der­bar ist für mich die­ses Wis­sen, zu hoch, ich kann es nicht begrei­fen.
Ps 139,5f.

Mit dir kann ich Hin­der­nis­se über­win­den.
Ps 18,3

Vom Ende der Erde rufe ich zu dir, denn mein Herz ist in Angst.
Ps 61,3

Hilf mir! Schon reicht mir das Was­ser bis an die Keh­le. ich habe kei­nen Halt mehr.
Ps 69,2f.

Ich bin aus­ge­schüt­tet wie Was­ser.
Ps 22,15

Ich bin müde vom Rufen, mei­ne Keh­le ist hei­ser, mir ver­sa­gen die Augen.
Ps 69,4

Ich bin so müde vom Wei­nen. Die gan­ze Nacht wei­ne ich, mein Bett wird nass von Trä­nen.
Ps 6,7

Wie lan­ge soll ich noch rufen und du hörst nicht? Ich schreie zu dir: Hil­fe, Gewalt! Aber du hilfst nicht.
Hab1,2

Vater und Mut­ter haben mich ver­las­sen.
Ps 27,10

Auch beim Lachen kann das Herz trau­ern und nach der Freu­de kommt das Leid.
Spr 14,13

  1. Beschrei­be die Bil­der zwi­schen den Por­traits der bei­den.
  2. Wäh­le einen Satz aus der Bibel und deu­te das Bild mit­hil­fe die­ses Sat­zes.
  3. Dis­ku­tiert in der Lern­grup­pe, ob durch das Tei­len des Vide­os die Flücht­lin­ge auf der Welt unter­stützt wer­den.
  4. Ent­wi­ckelt gemein­sam eine Aus­stel­lung über Men­schen auf der Flucht.

Über Glück nachdenken

Ich bin am Leben. Ich bin einer der Glück­li­chen.

Mit die­sem Satz endet der Kurz­film von UNICEF. Dis­ku­tiert in der Lern­grup­pe die Bedeu­tun­gen die­ses Sat­zes. Sucht dazu nach Ant­wor­ten auf fol­gen­de Fra­gen:

  1. Geht mit den Sät­zen durch den Klas­sen­raum. Sagt euch gegen­sei­tig bei­de Sät­ze.
  2. Prüft die Wir­kung und tauscht euch dar­über in klei­nen Grup­pen aus. Sprecht über eure Gedan­ken, Gefüh­le, Erin­ne­run­gen und eige­ne Flucht­ge­schich­ten.
  3. For­mu­liert Ant­wor­ten auf die Fra­ge: Kann ein Mensch glück­lich sein, wenn er als ein­zi­ger einer Grup­pe über­lebt hat?
  4. Dis­ku­tiert, ob es für Har­ry und Ahmet eine Ver­pflich­tung zum Glück­lich­sein gibt.
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Andreas Ziemer

Dozent für Theologie und Religionspädagogik am Pädagogisch-Theologischen Institut der EKM und der ELKA/Drübeck.
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