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Echte Freunde

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Ohne Freund­schaft möch­te nie­mand leben, hät­te er auch alle ande­ren Güter. Der Rei­che, der Herr­scher und der Mäch­ti­ge scheint der Freun­de ganz beson­ders zu bedür­fen. Denn was nütz­te ihm die Gunst des Schick­sals, wenn ihm die Mög­lich­keit ent­zo­gen wür­de, jenes Wohl­tun zu üben, das man am bes­ten und lobens­wür­digs­ten gegen Freun­de beweist? Oder wie lie­ße sich das Glück ohne Freun­de hüten und wah­ren? Es ist ja um so unsi­che­rer, je grö­ßer es ist. In Armut und sons­ti­ger Not aber gilt der Freund als die ein­zi­ge Zuflucht.
Aris­to­te­les, Niko­ma­chi­sche Ethik, Ach­tes Buch

Die Niko­ma­chi­sche Ethik ist die bedeu­tends­te ethi­sche Schrift des Aris­to­te­les (384 — 322 v.Chr.). Ihr Titel erin­nert dar­an, dass sie ent­we­der für sei­nen Vater oder für sei­nen Sohn ver­fasst wur­de, obwohl die Ver­fas­ser­schaft unklar ist. Das Werk will erklä­ren, wie man ein guter Mensch wird und ein glück­li­ches Leben füh­ren kann.

Die Freund­schaft ist für Aris­to­te­les eine auf Gegen­sei­tig­keit beru­hen­de Bezie­hung. Soll sie gelin­gen, müs­sen drei Bedin­gun­gen erfüllt sein: Gegen­sei­tig­keit, Wohl­wol­len und die Erkenn­bar­keit der Gesin­nung. Sind die­se Bedin­gun­gen erfüllt, spricht Aris­to­te­les von ech­ter Freund­schaft.

Kern­kom­pe­tenz: Den eige­nen Glau­ben und die eige­nen Erfah­run­gen wahr­neh­men und zum Aus­druck brin­gen sowie vor dem Hin­ter­grund christ­li­cher und ande­rer reli­giö­ser Deu­tun­gen reflek­tie­ren.

Jahr­gang: ab Jahr­gang 7

Arbeits­for­men: Inter­view, Song­ana­ly­se, Text­ar­beit

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen:

Zur Differenzierung unterscheidet Aristoteles drei Arten der Freundschaft:

Die Freund­schaft des Nut­zens
Die Bezie­hung zwi­schen zwei Men­schen, die sich wech­sel­sei­tig Gutes tun, ein­an­der viel geben, mit­ein­an­der tei­len und des­halb zusam­men sind, bezeich­net Aris­to­te­les als eine Freund­schaft des Nut­zens. Bei­de Sei­ten pro­fi­tie­ren von die­ser Part­ner­schaft. Endet jedoch die­ser Zweck des Zusam­men­seins, löst sich auch die Freund­schaft auf.

Die Freund­schaft der Lust
Die Bezie­hung zwi­schen zwei Men­schen, die auf wech­sel­sei­ti­ger gemein­sa­mer Lust und Spaß gegrün­det ist, nennt Aris­to­te­les die Freund­schaft der Lust. Ent­fällt der Spaß­fak­tor, tren­nen sich die Wege.

Die voll­kom­me­ne Freund­schaft
Eine Bezie­hung, die auf wech­sel­sei­ti­ger Aner­ken­nung, unab­hän­gig von Nut­zen oder Spaß, gegrün­det ist, also die Nähe zum Ande­ren auf­grund sei­ner Hal­tung oder Tugen­den sucht, nennt der Phi­lo­soph „ech­te oder voll­kom­me­ne Freund­schaft”. Nut­zen und Lust müs­sen aber nicht feh­len.

„Denn die Tugend­haf­ten sind gleich­zei­tig schlecht­hin gut und ein­an­der nütz­lich, und in der näm­li­chen Wei­se sind sie lust­brin­gend, sofern der Tugend­haf­te wie schlecht­hin so auch einer beim ande­ren Gefal­len erweckt.”

Für wah­re Freund­schaft muss man sehr viel tun, bekommt aber kei­ne Garan­tie dafür, dass sie sich ein­stellt. Inso­fern ist Dank­bar­keit eine ange­mes­se­ne Kate­go­rie zur Beschrei­bung und Beur­tei­lung von Freund­schaft. Sie wird am ehes­ten gefun­den, wenn man lan­ge gemein­sa­me Zeit­span­ne teilt und am bes­ten zusam­men lebt. Viel­leicht stel­len des­halb die Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se des 21.Jh. eine so gro­ße Her­aus­for­de­rung für die Freund­schaft dar.

http://​www​ho​mes​.uni​-bie​le​feld​.de/​a​w​i​t​t​h​u​s​/​Z​u​s​a​m​m​e​n​f​a​s​s​u​n​g​A​.​pdf

Echte Freunde. Das gehört dazu …

Ach­tungAus­tauschWert­schät­zung
Ent­las­tungFreu­deAuf­ga­be
Zunei­gungStau­nenRücken stär­ken
Beglei­tenVer­trau­enGefühl
Begeg­nungHil­feSpaß
HumorHar­mo­nieStreit
TreueZuhö­renVer­bun­den­heit
Offen­heitGeheim­nisSpiel
Gegen­überAben­teu­erNähe
Gegen­sei­tig­keitHerz­lich­keitRespekt
  1. Mar­kie­re die Begrif­fe, die für dich unbe­dingt dazu­ge­hö­ren.
  2. Erstel­le in einer Klein­grup­pe eine Top­Ten-Lis­te.
  3. Befragt euch in der Klein­grup­pe nach Erleb­nis­sen, in denen ihr „ech­te Freund­schaft” erlebt habt. Schreibt die Geschich­te eines Inter­view­part­ners auf.
  4. Prä­sen­tiert eure Ech­te-Freun­de-Geschich­te.

SDP. Echte Freunde

Frau­en kom­men und geh’n, nichts als Trän’n
Denn sie haben mein Herz gefickt
Doch du bist immer da für mich
Wenn es für mich am schwers­ten ist
Und gab es etwas zu fei­ern, war’n wir immer dabei
Auch ohne ein’n Cent auf der Bank
Denn es kommt dar­auf nicht an
Weil man ech­te Freun­de nicht kau­fen kann
Einen ech­ten Freund erkennst du dar­an, dass er da ist
Wenn du vollkomm’n am Arsch bist
Und nicht dar­an, dass er nur dann, wenn er was will schreibt
Oder ab und zu ein Bild likt

http://​www​.song​tex​te​.com/​s​o​n​g​t​e​x​t​/​s​d​p​-​f​e​a​t​-​p​r​i​n​z​-​p​i​/​e​c​h​t​e​-​f​r​e​u​n​d​e​-​g​5​3​f​7​7​3​1​9​.​h​tml

  1. Hört euch den Song und beschreibt, was die Musi­ker unter „ech­ten Freun­den” ver­ste­hen.
  2. Ent­wi­ckelt dazu eine Tabel­le.
  3. Erklärt, wel­che Freund­schafts­ge­schich­ten durch die Bil­der des Vide­os erzählt wer­den.
  4. Prüft, ob ihr Geschich­ten von Freun­den kennt oder selbst erlebt habt, die zum Song pas­sen.

Aristoteles. Das Wesen der Freundschaft

  1. Nehmt zur Kennt­nis, was Aris­to­te­les über Freund­schaft schreibt.
  2. Erklärt euch gegen­sei­tig die Unter­schie­de zwi­schen den drei Arten der Freund­schaft.
  3. Erläu­tert sie mit­hil­fe von Bei­spie­len.

Und weinte bitterlich. Die Geschichte von Jesus und Petrus

  1. Lest in Lk 22,54−62 von der Geschich­te zwi­schen Petrus und Jesus.
  2. Prüft, ob Jesus und Petrus Freun­de waren und wel­che Art von Freund­schaft unter Umstän­den hier gezeigt wird.
  3. Schreibt eine ein­fühl­sa­me Nach­richt an Petrus.

Die Zukunft der Freundschaft. Meta-Reflexion

Dis­ku­tiert in der Lern­grup­pe, ob man mit einem Com­pu­ter oder einem Betriebs­sys­tem befreun­det sein kann und wel­che Kri­te­ri­en die­ses künst­li­che Sys­tem dazu erfül­len müss­te.

Andreas Ziemer

Dozent für Theologie und Religionspädagogik am Pädagogisch-Theologischen Institut der EKM und der ELKA/Drübeck.

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