Die Wahrheit über Corona

Lie­ber Reli-Kurs,
als wir uns zuletzt in den guten alten Zei­ten vor dem Lock­down im Schul­ge­bäu­de live begeg­ne­ten, tausch­ten wir uns über unse­re Vor­stel­lun­gen von Wahr­heit aus. Ich erin­ne­re mich an fol­gen­de Äuße­run­gen:
„Wahr ist das, was ich sehen und anfas­sen kann.”
„Wahr ist das, was durch wis­sen­schaft­li­che Fak­ten belegt ist.”
„Wahr ist das, was ich erlebt habe.”
„Wahr­heit ist das Gegen­teil von Lüge.”
… ich häng hier ein­fach noch mal ein paar von euch for­mu­lier­te Wahr­hei­ten zur Erin­ne­rung an die vir­tu­el­le Pinn­wand …

Aufgaben und Impulse

  1. Tra­ge min­des­tens fünf Wahr­hei­ten und fünf Falsch-Nach­rich­ten zur Coro­na-Situa­ti­on in einer Tabel­le zusam­men. For­mu­lie­re jede Wahr­heit in einem Satz.

  2. Ord­ne die ein­zel­nen Aus­sa­gen der Korrespondenz‑, der Kohärenz‑, der prag­ma­ti­schen oder der Kon­sens­theo­rie zu. Begründe dei­ne Zuord­nun­gen.

  3. Gestal­te nun zwei Wort­wol­ken zu Coro­na-Wahr­hei­ten und Fake-News (Bsp. fin­dest du, wenn du „Wort­wol­ke“ in die Such­ma­schi­ne ein­gibst und unter Bil­dern schaust). Du kannst für die Wort­wol­ken eine der kos­ten­lo­sen Apps ver­wen­den, die ange­bo­ten wer­den, z.B. „Word­sa­lad“.

    Mar­kie­re die zen­tra­len, aussagekräftigsten Begrif­fe (bit­te nur ein­zel­ne Wor­te) dei­ner Auf­zeich­nun­gen zu den Wahr­hei­ten und Falsch­mel­dun­gen.
    Samm­le die Begrif­fe am Rech­ner oder Smart­pho­ne in zwei Lis­ten (ohne For­ma­tie­rung unter­ein­an­der schrei­ben) unter den Überschriften „Wahr­heit“ und „Fake-News“ (oder deut­sche Bezeich­nung, wie du magst).
    Kopie­re die Überschriften und füge sie mehr­mals unter­ein­an­der ein (sie wer­den dann in der Wort­wol­ke größer ange­zeigt).
    So geht’s: Wor­te unter­ein­an­der schrei­ben oder Lis­te (s.o.) rein­ko­pie­ren, Design auswählen (überlege, wel­ches Design bes­ser zu Wahr­hei­ten und wel­ches zu Fake-News passt) — ein­fach aus­pro­bie­ren …
    Falls du kei­ne Möglichkeit haben soll­test, die Wort­wol­ke digi­tal umzu­set­zen, kannst du sie auch zeich­ne­risch gestal­ten.

  4. Lade dei­ne Arbeits­er­geb­nis­se in Form einer pdf bis zum … in unse­re Schul­Cloud.

Medi­zi­ner der Uni Wien haben her­aus­ge­fun­den, dass Ibu­profen die Ver­meh­rung des Coro­na­vi­rus beschleu­nigt.

Die Medi­zi­ni­sche Uni­ver­si­tät Wien hat die Mel­dung demen­tiert. Auf Face­book hieß es: „Wir möch­ten aus­drück­lich dar­auf hin­wei­sen, dass es sich hier­bei um Fake News han­delt”.

Das neu­ar­ti­ge Coro­na­vi­rus ist nicht gefähr­li­cher als eine gewöhn­li­che Grip­pe.

Laut WHO ist Covid-19 deut­lich gefähr­li­cher als die gewöhn­li­che Grip­pe: höhe­re Anste­ckungs­ra­te, höhe­rer Anteil schwe­rer Krank­heits­ver­läu­fe, Feh­len eines Impf­stof­fes. Exper­ten schät­zen, dass sich 60 bis 70 Pro­zent der Deut­schen infi­zie­ren könn­ten.

Deut­sche stür­men Super­märk­te in Fol­ge der Coro­na-Pan­de­mie. Das soll zumin­dest ein Video bewei­sen, dass bei Tik­Tok über vier Mil­lio­nen mal ange­schaut wur­de.

Auch wenn die Angst vor dem Coro­na­vi­rus bis­wei­len für lee­re Rega­le sorgt: Die­ses Video ist aus dem Zusam­men­hang geris­sen und zeigt kei­nen Super­markt in Her­then. Die Auf­nah­me ist von 2011 und zeigt ein Geschäft in Kiel, wie ein ent­spre­chen­des You­tube-Video beweist.

Das Virus ist nicht hit­ze­be­stän­dig und stirbt bei einer Tem­pe­ra­tur von 26 bis 27 Grad.

Die­se Behaup­tung ist wider­legt. Auch in war­men Regio­nen infi­zie­ren sich Men­schen mit dem Virus. Die Tem­pe­ra­tur spielt kei­ne Rol­le. Tipps, wie ins War­me zu fah­ren, Heiß­ge­trän­ke zu kon­su­mie­ren oder ein hei­ßes Bad hel­fen nicht.

Alle 15 Minu­ten Was­ser zu trin­ken hilft, das Virus durch die Spei­se­röh­re in den Magen zu beför­dern. Wo es durch die Magen­säu­re abge­tö­tet wird.

Aus­rei­chend trin­ken hält die Schleim­häu­te feucht. Was­ser trin­ken schützt aber nicht davor, sich mit dem Coro­na­vi­rus zu infi­zie­ren, erklärt die WHO. Ist das Virus erst ein­mal im Rachen ange­kom­men, kann es zudem nicht so ein­fach durch Was­ser in den Magen gespült wer­den.

Das Virus wur­de über den Ver­zehr von Fle­der­maus-Sup­pe über­tra­gen.

Das neu­ar­ti­ge Virus soll zu 88% mit einem Virus ver­wandt sein, das bei Fle­der­mäu­sen und Flug­hun­den gefun­den wur­de. Dass das Coro­na­vi­rus aber direkt von der Fle­der­maus auf den Men­schen über­tra­gen wur­de — gar durch den Ver­zehr eines Tie­res — ist nicht belegt.

Das Virus ist so groß, dass jede nor­ma­le Mas­ke Schutz vor Anste­ckung bie­tet.

Mas­ken schüt­zen nur bedingt vor dem Coro­na­vi­rus — und das auch nur, wenn man gleich­zei­tig auf sei­ne Hand­hy­gie­ne und ande­re Schutz­maß­nah­men ach­tet, heißt es von der WHO.

Das Coro­na­vi­rus wird durch 5G-Mobil­funk­net­ze aus­ge­löst.

Obwohl es wenig belast­ba­re Bele­ge dafür gibt, hat sich online eine welt­wei­te, hete­ro­ge­ne Gemein­schaft von 5G-Geg­nern gebil­det. Jetzt soll 5G-Strah­lung auch für Covid-19 ver­ant­wort­lich sein. Auch die­se Angst ist laut Bun­des­amt für Strah­len­schutz (BfS) unbe­grün­det.

Das Coro­na­vi­rus stammt nicht vom Markt in Wuhan, son­dern wur­de in einem dor­ti­gen Bio­la­bor gezüch­tet.

In Wuhan befin­det sich tat­säch­lich ein chi­ne­si­sches Labor für Bio­si­cher­heit. Doch wie Infek­ti­ons­spe­zia­lis­ten wie Chris­ti­an Dros­ten bereits im Febru­ar klar­stell­ten, ist an die­ser Theo­rie nichts dran.

Was ist Wahrheit — Eine der ältesten Fragen der Philosophie

Wor­an ist zu erken­nen, dass eine Aus­sa­ge wahr ist? Und was bedeu­tet es, dass eine Aus­sa­ge wahr ist? — Wahr­heits­theo­rien suchen kla­re Kri­te­ri­en zur Bestim­mung von Wahrhheit und sie bil­den dabei Bestim­mun­gen oder Defi­ni­tio­nen von Wahr­heit aus.

Die ers­ten Ver­su­che rei­chen bis in die Anti­ke zurück, mit dem 20 Jh. kon­kur­rie­ren viel­fäl­ti­ge Bestim­mun­gen mit­ein­an­der.

Ziel ist es immer, die Wahrhheit von Aus­sa­gen zu bestim­men, d.h. die Aus­sa­gen so zu kon­stru­ie­ren, dass sie den Wahr­heits­kri­te­r­ein ent­spre­chen. Es geht nicht um den Anspruch von Bezeich­nun­gen oder um Wahr­haf­tig­keit.

Die Korrespondenztheorie

Eine Aus­sa­ge gilt danach dann als wahr, wenn die sub­jek­ti­ve Aus­sa­gen den Tat­sa­chen in der objek­ti­ven Welt ent­spre­chen. Das sah schon Aris­to­te­les so. Die­se Bestim­mung kommt dem All­tags­ver­ständ­nis von Wahr­heit sehr nahe.

Die Über­ein­stim­mung zwi­schen for­mu­lier­ter Aus­sa­ge und Rea­li­tät gilt heu­te aber als pro­ble­ma­tisch. Denn dazu müss­te man objek­tiv fest­stel­len kön­nen, dass Men­schen die Welt so wahr­neh­men, wie sie tat­säch­lich ist. Psy­chi­sche, sozia­le und phy­si­ka­li­sche Fak­to­ren wie die Sin­nes­wahr­neh­mun­gen beein­flus­sen die Wahr­neh­mung. Damit ist die Wahr­heit von Aus­sa­gen nur schwer zu kon­trol­lie­ren.

Die Kohärenztheorie

Für Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Kohä­renz­theo­rie ist eine Aus­sa­ge dann wahr, wenn sie wider­spruchs­frei zu den ande­ren Aus­sa­gen eines Sys­tems steht. Als Impuls­ge­ber gilt gilt Nicho­las Bescher (gebo­ren 1928). Dem­nach geht es bei der Wahr­heit nicht um die Über­ein­stim­mung von Aus­sa­gen und Wirk­lich­keit, son­dern von Wahr­heit wird gespro­chen, wenn Aus­sa­gen über­ein­stim­men. Dabei muss Wider­spruchs­frei­heit garan­tiert sein. Dage­gen wird ein­ge­wandt, dass es zu jedem in sich schlüs­si­gen Sys­tem von Aus­sa­gen ein alter­na­ti­ves, eben­falls kohä­ren­tes Sys­tem geben kann. Bei­de Aus­sa­gen­sys­te­me bezie­hen sich dann auf den­sel­ben Gegen­stand bezieht, sind aber mit­ein­an­der unver­träg­lich. So kön­nen meh­re­re Wahr­hei­ten neben­ein­an­der bestehen.

Die pragmatische Theorie der Wahrheit

Wil­liam James (1842−1910) ent­wi­ckelt die Kor­re­spon­denz­theo­rie wei­ter. Danach kann man Wahr­heit als Über­ein­stim­mung ver­ste­hen. Ein trag­fä­hi­ges Kri­te­ri­um für Über­ein­stu­im­mung ist für Wil­liam James das Maß an Ori­en­tie­rung. Wenn eine Aus­sa­ge hilft, dass sich Men­schen in der Welt zurecht­zu­fin­den und erfolg­reich mit der Umwelt agie­ren kön­nen, dann ist davon aus­zu­ge­hen, dass die­se Aus­sa­ge wahr ist. Die­Wahr­heit einer Aus­sa­ge ist folg­lich an ihrem lebens­prak­ti­schen Nut­zen abzu­le­sen

Dabei geht es nicht um den kurz­fris­ti­gen Gewinn einer geschickt ein­ge­setz­ten Aus­sa­ge. Viel­mehr han­delt es sich um ein lang­fris­ti­ges Wohl­erge­hen. Folg­lich ruht die­ser Ansatz auf zwei Säu­len: Es gibt eine erkenn­ba­re objek­ti­ven Rea­li­tät und der Men­schen steht als han­deln­des Wesen im Zen­trum des Nach­den­kens.

Die Konsentheorie

Für die Kon­sens­theo­rie ist eine Aus­sa­ge dann wahr,

  • wenn in einer unbe­grenz­ten Gemein­schaft von Men­schen
  • inner­halb eines zeit­lich und räum­lich unbe­grenz­ten Dia­logs,
  • der herr­schafts­frei, d.h. gleich­be­rech­tigt ver­läuft,
  • die begrün­de­te Über­ein­stim­mung, dass eine Aus­sa­ge wahr ist,
    her­bei­ge­führt wer­den kann.

Auch hier muss beant­wor­tet wer­den: Ent­steht die Wahr­heit erst durch den Kon­sens? Wie kann eine Kon­sens­fin­dung prak­tisch her­bei­ge­führt wer­den? Endet der Pro­zess der Kon­sens­fin­dung irgend­wann? Und wie lang­fris­tig muss der gemein­sam for­mu­lier­te Kon­sens gül­tig sein?

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Ruth Ziemer
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