Die Gabe hat keinen Preis

Noch drei Wochen bis Weih­nach­ten. Der Geschen­ke-Druck wächst. Man­che sam­meln schon seit dem Som­mer, ande­ren schie­ben es bis Hei­lig­abend vor sich her: Shop­pen, Bas­ten, Schrei­ben. Die Viel­falt der Ange­bo­te macht das Pro­blem nicht klei­ner. Wie fin­det man das rich­ti­ge Geschenk? Was erzählt die Gabe über die Bezie­hung? Und wel­che Bedeu­tung hat der Preis?

Der fran­zö­si­sche Sozio­lo­ge Mar­cel Mauss ent­deck­te in der Gabe ein Schlüs­sel­ele­ment von Aner­ken­nung, Macht und Abhän­gig­keit. Die Gabe wirkt gemein­schafts­stif­tend. Der „schen­ken­de Mensch” ist dabei viel älter als der wirt­schaft­lich-kal­ku­lie­ren­de Homo oeko­no­mi­cus mit sei­ner Fra­ge „Was-habe-ich-davon?”

Dabei muss die Gabe vom Tausch unter­schie­den wer­den. Beim Tausch erhal­ten bei­de Par­tei­en ihren Anteil, je nach Ver­ab­re­dung. Bei der Gabe flie­ßen Wert, Bedeu­tung und Wir­kung nur in eine Rich­tung. Das dar­in ent­hal­te­ne schöp­fungs­theo­lo­gi­sche Moment der Bedin­gungs­lo­sig­keit bil­det den Grund für Ver­trau­en und gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt.

Raphaël Ent­ho­ven und Andris Breit­ling erkun­den die Bedeu­tung der Gabe im phi­lo­so­phi­schen Gespräch.

Kern­kom­pe­tenz: Den eige­nen Glau­ben und die eige­nen Erfah­run­gen wahr­neh­men und zum Aus­druck brin­gen sowie vor dem Hin­ter­grund christ­li­cher und ande­rer reli­giö­ser Deu­tun­gen reflek­tie­ren.

Jahr­gang: ab 7. Jahr­gangs­stu­fe

Arbeits­for­men: Fil­m­ana­ly­se, Posi­ti­ons­li­nie, Mind­map­ping, Rol­len­spiel, Bild­in­ter­pre­ta­ti­on

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen:

Shel­don Lee Coo­per: https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​T​h​e​_​B​i​g​_​B​a​n​g​_​T​h​e​o​r​y​#​D​r​.​_​D​r​.​_​S​h​e​l​d​o​n​_​L​e​e​_​C​o​o​per

Mar­cel Mauss, Die Gabe: https://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Mauss#%E2%80%9EEssai_sur_le_don%E2%80%9C_(%E2%80%9EDie_Gabe%E2%80%9C)

Frank Adloff, Ohne Gabe kei­ne Gesell­schaft: https://​www​.deutsch​land​funk​kul​tur​.de/​s​o​z​i​o​l​o​g​e​-​f​r​a​n​k​-​a​d​l​o​f​f​-​o​h​n​e​-​g​a​b​e​-​k​e​i​n​e​-​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​.​2​1​6​2​.​d​e​.​h​t​m​l​?​d​r​a​m​:​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​4​2​7​572

Phase 1: Schenken und Beschenkt werden

  1. Posi­ti­ons­li­nie: Ich suche immer nach Geschen­ken. < — — — -> Ich las­se den Anlass auf mich zukom­men.
  2. Tauscht euch über eure Stra­te­gi­en zur Fin­dung von Geschen­ken aus.
  3. Mind­map­ping: Wie fühlt sich Beschenkt-wer­den an und mit wel­chen Stra­te­gi­en reagierst du?

Phase 2: Sheldons Geschenke — Theorie

Wenn ich Ihnen die­sen Geschenk­korb über­rei­chen wür­de, wie wür­den Sie auf Grund­la­ge die­ser Hand­lung und ohne wei­te­re Daten, die zwi­schen uns bestehen­de hypo­the­ti­sche Bezie­hung ablei­ten und beschrei­ben?
Shel­don, 01:15

  1. Gib Shel­dons Über­le­gun­gen aus dem gesam­ten Clip mit eige­nen Wor­ten wie­der.
  2. Erläu­te­re die Posi­tio­nen Howards und Rays.
  3. For­mu­lie­re eine eige­ne fik­ti­ve ant­wort an Shel­don.

Phase 3: Die Gabe

  1. Beant­wor­te Raphaël Ent­ho­vens Ein­gangs­fra­ge: Wann hast du zum letz­ten­mal etwas ohne Hin­ter­ge­dan­ken gege­ben? Tauscht euch dazu in der Lern­grup­pe aus.
  2. Erklä­re Unter­schie­de zwi­schen Gabe und Tausch.
  3. Erläu­te­re die Bedeu­tung der Gabe für mensch­li­che Bezie­hun­gen.

Phase 4: Gesten deuten

  1. Beschrei­be die dar­ge­stell­ten Ges­ten mit eige­nen Wor­ten.
  2. For­mu­lie­ren Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de.
  3. Orde­ne sie dem „Tausch” und der „Gabe” zu und erläu­te­re dei­ne Ent­schei­dung.
  4. Prä­sen­tie­re wei­te­re Bil­der oder stel­le eige­ne Ges­ten nach und hal­te sie foto­gra­phisch fest.

Phase 5: Meta-Reflexion

  1. Was nimmst Du aus dem Nach­den­ken über Gabe und Tausch mit in die Weih­nachts­fe­ri­en?
  2. Wie hat sich Dei­ne Per­spek­ti­ve auf die Geschen­ke ver­än­dert?
  3. Wor­an liest Du Wert und Bedeu­tung eines Geschen­kes ab?
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Andreas Ziemer

Dozent für Theologie und Religionspädagogik am Pädagogisch-Theologischen Institut der EKM und der ELKA/Drübeck.
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