CTRL-X: Friedhöfe oder Sprungbretter

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Die Tas­ten­kom­bi­na­ti­on CTLR-X steht auf Tas­ta­tu­ren von Mil­lio­nen von PCs, Lap­tops und Smart­pho­nes für „Ent­fer­nen”, „Aus­schnei­den” oder „Löschen”. In Ver­bin­dung mit den Bil­dern von Lars Löf­fel­bein wird der tech­ni­sche Tas­ta­tur­be­fehl zu einer apo­ka­lyp­ti­schen Meta­pher. Die Fotos erin­nern dann an dys­to­pi­sche Film­sze­nen – dabei sind sie Gegen­wart. Sie stam­men aus Gha­na. In Agbog­blo­shie, einem Stadt­teil der Haupt­stadt Accra, befin­det sich die größ­te Müll­hal­de für Elek­tro-Schrott. Luft, Boden und Was­ser sind ver­gif­tet und ver­seucht. Hier arbei­ten und leben unge­fähr 6.000 Men­schen: Kin­der, Frau­en und Män­ner. CTRL-X lässt die alte Welt ver­schwin­den, und zeigt eine ande­re …

Die Bewoh­ner von Agbog­blo­shie nen­nen ihren Stadt­teil selbst „Sodom”. Der Name erin­nert an die alt­tes­ta­ment­li­chen Geschich­ten, in denen Abra­ham und Lot nach Sodom kom­men. Die Stadt hat einen üblen Ruf. Abra­ham han­delt mit Gott über die Zukunft der Stadt, damit nicht Gerech­te mit Unge­rech­ten glei­cher­ma­ßen unter­ge­hen (Gen 18,16−33).

Und Abra­ham sprach: Ach, zür­ne nicht, Herr, dass ich nur noch ein­mal rede. Man könn­te viel­leicht zehn Gerech­te dar­in fin­den. Er aber sprach: Ich will sie nicht ver­der­ben um der zehn Gerech­ten wil­len.
Gen 18,32

Und Lot nimmt zwei Frem­de in sei­nem Haus in Sodom auf, doch nur mit letz­ter Kraft kön­nen die Frem­den ihren Gast­ge­ber vor den Bewoh­nern der Stadt schüt­zen. Am nächs­ten Mor­gen flieht die Fami­lie, die Stadt geht in einem Feu­er­sturm unter (Gen 19,1−29).

Und sie­he: Qualm stieg von der Erde auf wie der Qualm aus einem Schmelz­ofen.
Gen 19,28

Doch in Sodom ent­steht auch Zukunft. Der Schrott und die Zer­stö­rung des Wes­tens wird in Agbog­blo­shie zum Mehr­wert, zum Sprung­brett, zur Zukunft.

Kern­kom­pe­tenz: Den eige­nen Glau­ben und die eige­nen Erfah­run­gen wahr­neh­men und zum Aus­druck brin­gen sowie vor dem Hin­ter­grund christ­li­cher und ande­rer reli­giö­ser Deu­tun­gen reflek­tie­ren.

Jahr­gang: ab Jahr­gang 9

Arbeits­for­men: bio­gra­fi­scher Zugang, Bild- und Fil­m­ana­ly­se, grup­pen­tei­li­ge Recher­che, Mind­map

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen:

Die Höl­le auf Erden https://​www​.sued​deut​sche​.de/​k​u​l​t​u​r​/​w​e​l​c​o​m​e​-​t​o​-​s​o​d​o​m​-​k​r​i​t​i​k​-​1​.​4​0​7​7​539

Kai Löf­fel­bein und sein Pro­jekt: http://​www​.kailo​ef​fel​bein​.com/​c​t​r​l​-​x​-​a​-​t​o​p​o​g​r​a​p​h​y​-​o​f​-​e​-​w​a​ste

Über den Film von Flo­ri­an Wei­gensa­mer, Chris­ti­an Krö­nes: http://​www​.wel​co​me​-to​-sodom​.de

Wei­te­res Unter­richts­ma­te­ri­al zum Film: http://​www​.down​load​.nia​ma​-film​.com/​W​e​l​c​o​m​e​t​o​s​o​d​o​m​o​P​r​e​s​s​e​/​w​e​l​c​o​m​e​t​o​s​o​d​o​m​s​c​h​u​l​m​a​t​e​r​i​a​l​.​zip

Mein erster Computer, mein erstes Smartphone — Eine Annäherung

  1. Erzäh­le von dei­nem erstern Com­pu­ter, dei­nem ers­ten Smart­pho­ne oder dei­nem ers­ten elek­tro­ni­schem Spiel­zeug. Hal­te die eige­nen Erin­ne­run­gen und Momen­te der ande­ren schrift­lich fest.
  2. Tauscht euch in der Lern­grup­pe dar­über aus, wel­che Wün­sche und Hoff­nun­gen mit die­sen Gerä­ten ver­bun­den waren. Ergän­ze dei­ne Auf­zeich­nun­gen.
  3. Was ist aus den Gerä­te gewor­den? Wo sind sie jetzt? Und was wur­de aus den Wün­schen und Hoff­nun­gen? Tauscht euch dar­über aus. Nimm eige­ne Gedan­ken und die Über­le­gun­gen der ande­ren auf und hal­te sie in einem Lern­log­buch fest.

Ctrl-X, A topography of ewaste

  1. Schau dir die Bil­der­ga­le­rie (14 Fotos) von Kai Löf­fel­bein an. (Dem Link fol­gen, das erschei­nen­de Tri­pty­chon ankli­cken, dann mit den Rich­tungs­tas­ten alle Fotos auf­ru­fen.)
  2. Tau­sche dich in der Lern­grup­pe über dei­ne Ent­de­ckun­gen aus.
  3. Inter­pre­tie­re den Titel des Bild­ban­des „CTRL-X”.
  4. Tragt die Bedeu­tun­gen von CTRL-X in einer Mind­map zusam­men­tra­gen, z.B.

CTRL-X -> Müll zer­stört Leben.

CTRL-X -> Schrott schafft neue Tech­no­lo­gie.

CTRL-X -> Müll schafft Wohl­stand

CTRL-X -> Müll zer­stört die Stadt.

CTRL-X -> Schrott hilft zum Über­le­ben.

CTRL-X -> Schrott weckt Hoff­nun­gen.

CTRL-X -> Der Müll ist nicht weg, son­dern nur an einem ande­ren Ort

Elektroschrott: In Afrika und hier

  1. Recher­chiert arbeits­tei­lig, berei­tet Ergeb­nis­prä­sen­ta­tio­nen vor und hal­tet die wich­tigs­ten Grup­pen­er­geb­nis­se schrift­lich fest.
  2. Legt einen Such­be­griff für die Recher­che fest, z.B. Elek­tro­schrott.
    • Grup­pe 1: Wiki­pe­diaar­ti­kel son­die­ren
    • Grup­pe 2: Die eng­lisch­spra­chi­ge Wiki­pe­dia unter­su­chen
    • Grup­pe 3: Arti­kel „Die Höl­le auf Erden” der Süd­deut­schen Zei­tung auf die wich­tigs­ten Infor­ma­tio­nen redu­zie­ren
    • Grup­pe 4: Sozia­le Netz­wer­ke (Insta­gram, Face­book und Twit­ter) fil­tern
    • Grup­pe 5: Videobei­trä­ge in den Media­the­ken der öffent­lich-recht­li­chen Sen­der prü­fen, in einem Link­ka­ta­log zusam­men­stel­len und wich­ti­ge Bei­trä­ge mit jeweils einem Drei­zei­ler vor­stel­len.
  3. Fas­se die für dich bedeut­sams­ten oder wich­tigs­ten Infor­ma­tio­nen selb­stän­dig zusam­men. Ergän­ze dei­ne bis­he­ri­gen Auf­zeich­nun­gen.

Welcome to Sodom

Vier Men­schen spre­chen aus dem Off über Sodom, über ihre Stadt

Sodom ist ein har­ter Ort zum Leben. Man fin­det hier selt­sa­me Din­ge. Ich mag Shake­speare. Ich möch­te ein­fach nur an einem Ort sein, an dem ich nicht stän­dig die Angst spü­re, die mich umgibt.” — „Das Feu­er ist ein Mons­ter. Es kann dich krank machen. Für mich ist es eine gute Sache. Feu­er erschafft immer etwas Neu­es. Fri­sches Kup­fer.” — „Sodom und Gomor­rha. Sie sind böse, böse, böse. Sie töten Men­schen.” — „Das ist Afri­ka. Das ist Sodom. Hier musst du stark sein, wie ein Löwe.”

Tran­skript aus dem Trai­ler

  1. Beschrei­be die Bil­der aus Sodom, die du dir gemerkt hast.
  2. Ver­glei­che dei­ne Beob­ach­tun­gen mit den Bil­dern von Kai Löf­fel­bein.
    Arbei­te Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de her­aus.
  3. Erläu­te­re die Off-State­ments der Bewoh­ner von Agbog­blo­shie.
  4. Gib die Posi­tio­nen der Film­pro­du­zen­ten wie­der. For­mu­lie­re Fra­gen an die bei­den und kom­men­tie­re oder beur­tei­le ihre Sicht auf Agbog­blo­shie und ihre Men­schen.
  5. Hal­te die wich­tigs­ten Ergeb­nis­se die­ser Pha­se schrift­lich fest.

Im Feu­er der Müll­hal­de endet die digi­ta­le Revo­lu­ti­on, könn­te man mei­nen. Oder geht da was wei­ter …

  1. Inter­pre­tie­re das Ende des Fil­mes, 07:21 — 08:00 min im Zusam­men­hang des Zita­tes.
  2. Dis­ku­tie­re in der Lern­grup­pe, was Euro­pä­er an Agbog­blo­shie ler­nen kön­nen.
  3. Der Name der Stadt „Sodom” wird meta­pho­risch ver­wen­det. Steht er für „Auf­bruch”, „Neu­an­fang”, „Zukunft” oder für „Zer­stö­rung”, „Unter­gang”, „Ver­nich­tung”. Was meinst Du?
  4. Notie­re die meta-refle­xi­ven Ergeb­nis­se die­ser Pha­se in dei­nem Lern­log­buch.

Andreas Ziemer

Dozent für Theologie und Religionspädagogik am Pädagogisch-Theologischen Institut der EKM und der ELKA/Drübeck.

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Andreas Ziemer

Dozent für Theologie und Religionspädagogik am Pädagogisch-Theologischen Institut der EKM und der ELKA/Drübeck.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

    • Habe die Auf­ga­ben­stel­lung kon­kre­ti­siert bzw. Hand­lungs­an­wei­sung ergänzt. Prü­fe bit­te, ob Du jetzt die Gale­rie erreichst, LG, Andre­as

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